Deutschen Nationalmannschaft

Zeiten ändern sich

Im Jahre 1955 hatte der DFB es sicherlich gut gemeint, als er den Frauen das Fußballspielen verbot. Der „Kampfsport“ sei etwas für Männer, würde weibliche Anmut schwinden lassen und dem weiblichen Geschlecht an Körper und Seele schaden. Außerdem würden durch die Zurschaustellung der Körper die Schicklichkeit und der Anstand verletzt. Verbote sind jedoch dazu da, gebrochen zu werden. Die Frauen ließen sich nicht vorschreiben, was gut für sie ist, und trugen Länderspiele heimlich aus. Im September 1956 spielte die deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande und gewann 2:1. Die illegale Begegnung unter den Augen von 11.000 Zuschauern fand in Essen statt. Auf diese Weise wurde dem Verbot bis in die 70er Jahre hinein getrotzt. Der DFB wusste natürlich, dass es bis zu 60.000 Frauen waren, die sich seiner wohlwollenden Fürsorge entzogen. Die Frauen spielten – und spielten verdammt gut. Es wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit passiert, dass die widerspenstige weibliche Kickerbewegung auch noch die Frechheit besitzt, einen eigenen Verein zu gründen. Das durfte natürlich auf keinen Fall passieren. Der DFB verkündetet am 31. Oktober 1970 in Travemünde seine Meinungsänderung. Die Frauen waren fortan als Verbandsmitglieder willkommen.

Diese Neuerung war zunächst aber reine Formsache und bedeutete noch lange nicht, dass die Frauen den Männern gleichgestellt waren. Ein Ereignis in Fernost, genauer Taiwan, brachte dann jedoch den Ball buchstäblich ins Rollen. 1980 weilte dort der Verbandsfunktionär mit männlichen Fußballern. Als ihm eine Einladung für die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft der Frauen in die Hand gedrückt wurde, blieb ihm nichts, als sein Pokerface aufzusetzen. Er lächelte die Tatsache weg, dass der DFB gar keine weibliche Elf hatte. Was nicht ist, kann ja noch werden, hat sich der DFB wohl gedacht. Endlich wurde gehandelt. 1982 stellte Gero Bisanz das Frauenteam auf und wurde dessen Trainer. Was dann folgte, war ein Wettlauf gegen die Zeit, denn schon im Jahre 1983 mussten seine Schützlinge fit sein und die Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft absolvieren.

Aller Anfang ist schwer

Gero Brisanz, ehemaliger Trainerausbilder an der Sporthochschule Köln, muss ziemlichem Zeitdruck ausgesetzt gewesen sein. Zunächst hieß es, die besten Spielerinnen zu finden. Im Herbst 1982 veranstaltete er deshalb zwei Sichtungslehrgänge und kaderte die besten 16 Fußballerinnen. Der SSG 09 Bergisch Gladbach war der damalige Spitzenverein und stellte den größten Teil des Kaders. Zu Brisanz´ Assistentin wurde Anne Trabant bestimmt, die selbst auf dem Feld aktiv war. Diesen Posten behielt sie für ein Jahr. Das erste Länderspiel gegen die Schweiz am 10. November 1982 ließ alle Teammitglieder in die Fußballgeschichte eingehen. Doris Kresimon durfte für sich das erste Tor der Deutschen verbuchen. Silvia Neid legte mit ihren jungen 18 Jahren gleich zwei Tore nach und wird ewig unvergessen bleiben. Ob die junge Spielerin damals schon geahnt hat, was ihr noch für eine großartige Karriere bevorstehen würde? Weitere Torschützinnen waren Birgit Bormann und Ingrid Gebauer. Es wurde ein sehr glücklicher Auftakt mit einem siegreichen 5:1 gegen die Schweizer.

Ein weiter Weg

Leider rächte sich der straffe Zeitplan an anderer Stelle. Für die Qualifikation zur Europameisterschaft reichte es nicht. Verdammt knapp sind die Damen an der Teilnahme vorbeigeschrammt, denn sie mussten nur eine Niederlage gegen Dänemark einstecken. Alle anderen Runden endeten mit Gleichstand. Es war ein harter Kampf, Stabilität und Schliff in die neue Mannschaft zu bekommen und aus den begabten Spielerinnen ein Weltklasse-Team zu formen. Die Aufgabe der Assistenztrainerin übernahm ab 1986 Tina Theune, eine Bekannte des Trainers von der Sporthochschule. Zusammen wurde ein verbessertes Sichtungssystem etabliert und mit neuen Talenten eine solide Grundlage erarbeitet.